Wenn Nachbarn ein Haus bauen

Wie schön es doch ist, schadenfroh zu sein, vor allem, wenn das eigene neue Haus schon steht, und die Nachbarn gerade erst dabei sind, den Grundstein zu legen. Mein Mann und ich machten uns jedes Mal ein Vergnügen daraus, zu beobachten, wie Stein um Stein aufeinander gesetzt wurde. Wir konnten dabei gemütlich von den Fenstern aus zusehen, oder uns mit einem Kaffee auf die Terrasse setzen, während die anderen bis in die Nacht hinein schufteten, aufräumten und für den nächsten Tag alles vorbereiteten.

Ein Nachbar bekam ein Fertighaus, eine Alternative, die nicht unbedingt schlecht war. Für uns war es spannender, zuzusehen, wie ein Haus von Hand errichtet wurde, wie die verschiedenen Baufahrzeuge anrückten, die Handwerker sich die nicht vorhandene Klinke der zukünftigen Haustüre in die Hand gaben, und die Nachbarn, mit denen wir wohl die restlichen Jahre unseres Lebens auskommen würden müssen, manches Mal verzweifelten, weil, wie damals bei uns, einfach nichts so klappte, wie es eigentlich gedacht war.

Wenn einmal Not am Mann war, boten wir natürlich, entsprechend unseren Fähigkeiten, unsere Hilfe an. Das reichte von dem Zur-Verfügung-Stellen unserer Toilette im Haus, bis hin zu Hilfsarbeiten auf den Baustellen. Man wollte ja schließlich nette Nachbarn, die vielleicht auch einmal zu einer Gegenleistung bereit waren. Bis auf wenige Ausnahmen, die einfach nicht unserem Typ Mensch entsprachen, kamen wir auch mit allen gut aus und tun es bis heute. Oft war die Hilfe auch, an schweren Tagen den verzweifelten Bauherrn Mut zuzusprechen, von den eigenen Missgeschicken und Pannen zu berichten und zu trösten. Schließlich reicht es manchmal, wenn man hört, dass es anderen genau so schlimm ergangen ist, als sie ihr Haus erbaut haben. Gemeinsames, geteiltes Leid ist halbes Leid, auch wenn man heute über die meisten Situationen lachen kann, weil sie längst nicht mehr so schlimm erscheinen, wie damals, als die Bauphase noch „heiß“ war.