Unerwarteter Besuch im neuen Haus

Zwei Tage vor dem Heiligen Abend klingelte es. Ich dachte an einen Paketservice, und überlegte schon, was denn noch kommen könnte, denn ich hatte alle Geschenke, doch längst beisammen. Gedankenverloren ging ich zur Haustüre, um zu öffnen, da blieb mir doch glatt die Spucke weg. Vor der Türe stand meine beste Freundin, die vor einem Jahr nach Australien gezogen war, dort geheiratet hatte. Wir hatten das letzte Jahr über wenig Kontakt. Auch sie hatte mit ihrem Mann zusammen das geerbte Haus seiner Eltern umgebaut und war richtig im Stress. So reichte es eben nur für zeitweilige Lebenszeichen per E-Mail. Mehr als kurze Lageberichte und der Trost auf bessere Zeiten war nicht drin gewesen. Sie wusste, dass wir nicht mehr in der alten Wohnung wohnten und ich hatte ihr auch einmal die neue Adresse geschrieben. 

Da stand sie nun, und meine Überraschung war noch größer, als ich sie das erste Mal wieder losgelassen hatte. Deutlich wölbte sich ihr Bauch: Sie war schwanger. Ihren Mann, der neben ihr stand und der Wiedersehensfreude grinsend folgte, grüßte ich dann endlich auch. Ich kannte ihn nur flüchtig von seinen wenigen besuchen in Deutschland. Warren hieß er, und war eigentlich ganz sympathisch. Mein Bello wedelte die neuen Menschen in seinem Reich etwas zögerlich an, aber als er merkte, dass dies willkommener Besuch war, freute er sich auch ungetrübt. Er ließ sich kraulen während ich Kaffee kochte. Was gab es für Fragen und Antworten! Wie im Fluge verging die Zeit, bis die Kinder und dann auch mein Mann nach Hause kamen.

Torsten nahm mich beiseite, als ich das Abendessen vorbereitete. Der Besuch war so überraschend gekommen, es gab so viel zu erzählen. Er fragte mich, ob ich den beiden nicht unser Gästezimmer anbieten wollte. Das hatte ich doch glatt vergessen. Es war das erste Mal, dass dieses Zimmer Verwendung finden konnte. Wie konnte ich so vergesslich sein! Das Angebot lehnten Warren und Silvia aber dankend ab. Sie waren schon bei ihren Eltern in der Wohnung untergebracht. Aber sie wollten uns noch einige Male besuchen oder etwas mit uns zusammen unternehmen, solange sie da waren. Nun sitze ich hier an meinem Schreibtisch, denke ein wenig über alte Zeiten nach, freue mich auf den Heiligen Abend und die folgenden Tage. Die Überraschung war gelungen!