Stress schon vor dem Bezug des neuen Hauses

Ich dachte eigentlich, der wirkliche Stress würde erst beginnen, wenn ich mich für den Umzug fertigmachen müsste. Unsere Wohnung war noch nicht in Ansätzen ausgeräumt, das Haus stand noch nicht einmal bis zum 1. Stock im Rohbau. Und doch war ich nahezu jeden Tag unterwegs, um schnell irgendetwas im Baumarkt zu holen, weil etwas ausgegangen war. Auch die Handwerker, die auf der Baustelle am Werkeln waren, hatten alle Nasen lang eine Frage. Mein Mann war arbeiten, er wollte seinen Urlaub für die heiße Phase am Schluss des Baus aufsparen. Also tingelte ich zwischen Baustelle, Baumarkt und Telefon umher, weil ich selten etwas entscheiden konnte, was mit den Bauarbeiten zu tun hatte.

Daneben war noch mein Halbtagsjob, die Kinder mit ihren Hausaufgaben und natürlich unser neuer Freund Bello. Meine Kinder unterstützten mich, so weit es ging, unsere älteste hatte sogar angeboten, abzuspülen oder ähnliche Hausarbeit zu unternehmen. Auch Eltern und Schwiegereltern halfen, wo sie konnten und mein Mann verbrachte jeden Abend auf dem Rohbau. Irgendwann war es aber dann doch zu viel.

Ich hatte Sodbrennen und Magenschmerzen, konnte kaum noch schlafen und steigerte mich in einen Stress hinein, der eigentlich gar nicht so schlimm hätte sein müssen. Ich wollte aber doch alles perfekt machen. Meine Freundin war es dann, die einmal auf den Tisch haute und mich eine Woche zum Fastenwandern nach Sylt entführte. Ach, war das herrlich. Schon am zweiten Tag hatte ich den Kopf wieder frei und konnte mich wieder selbst finden. Die Frust-Pfunde purzelten zusehends und ich kam fit und erholt nach Hause.

Alle freuten sich über meine neue gute Laune. Die Fortschritte auf der Baustelle waren beachtlich, und das ganz ohne mein Zutun. Unser Hund begrüßte mich, als wäre ich Ewigkeiten weg gewesen, und auch mein Torsten drückte mich etwas fester als sonst. Meine Kinder empfingen mich mit Plakaten, auf denen Willkommen daheim stand. Es tut gut, geliebt, aber auch vermisst und gebraucht zu werden.