Oh Tannenbaum im neuen Haus

Heilig Abend ist vorbei. Keine Minute wäre Zeit gewesen, um am PC zu sitzen. Außerdem wäre es schade um jeden einzelnen Augenblick gewesen, den wir im Rahmen der Familie erlebt haben. Der heilige Abend gehörte den Eltern, uns und unseren Kindern. Das ganze Haus erstrahlte von Kerzen, Lichterketten und Weihnachtsschmuck. Schon lange, bevor es soweit war, war ich mit allem fertig. Ich war aufgeregter, als ich jemals zu Weihnachten war.

Den Christbaum hatte ich am Abend vorher zusammen mit Torsten geschmückt. Die Rollos waren herunter gelassen, die Türe versperrt. So konnte ich auch die Geschenke schon platzieren, ohne die Kinder aus dem Haus schicken zu müssen. Das Wohnzimmer war der Gral, den alle erobern wollten. Doch wir genossen den Tag mit einem schönen Frühstück, einem ausgedehnten Spaziergang. Gegen 14 Uhr ging es unter die Dusche, und dann wurden die schönsten Kleider angezogen. Torsten und Sven im Anzug, Wir Mädels alle in Schale: Wir gaben ein schönes Bild ab, das auch die Kamera vom Schwiegervater einige Male festhalten musste. Um vier sollten die Eltern und Schwiegereltern zum Kaffee kommen. Plätzchen, Stollen und Glühwein, lustiger Tratsch und spannende Vorfreude: Die Stimmung war hervorragend. Wir älteren Damen bereiteten dann auch das Abendessen vor, pünktlich für sieben Uhr. Die Kinder platzten vor Ungeduld, trauten sich aber nicht, etwas zu sagen. Würstchen, Kraut, Bratkartoffeln: Das typische Familienessen am Heiligen Abend schmeckte vorzüglich, wurde aber hastiger verschlungen, als jede noch so hektische Zwischenmahlzeit auf dem Bau.

Endlich läutete mein Vater das Glöckchen. Alle stürmten in das Wohnzimmer. Jeder, wirklich jeder hatte vor Erwartung glänzende Augen. Der Stolz darüber, im eigenen Haus Weihnachten feiern zu können, war ungebrochen bei Torsten und mir. Dann wieder der ganz besondere Moment, der mich jedes Jahr vor Rührung weinen lässt: Wir sangen alle zusammen Stille Nacht, heilige Nacht. Auch Schwiegermutter und meine Mutter hatten Tränen in den Augen, und wenn ich mich recht entsinne, musste auch mein Herr Papa etwas schlucken. Sogar die Kinder hielten bis zur dritten Strophe durch. Dann gab es aber kein Halten mehr. Die Geschenke wurden ausgepackt, der Baum bewundert, ein bisschen Glühwein verschüttet, der Hund kläffte fröhlich: Das bunte Treiben, das am Heiligen Abend immer einige Momente aussetzt und zur Ruhe kommt, hatte wieder eingesetzt.

Um zehn gingen wir zur Messe, danach die Eltern nach Hause, und wir auch. Wir standen vor dem Haus, das immer noch festlich erstrahlte, und nahmen uns alle fünf in den Arm. Wir hatten es gut und wir wussten das. Dieser Eintrag entsteht, weil ich nicht schlafen kann, während alle meine Lieben selig schlummern. Nur unser Bello, mein Freund, hält neben mir die Stellung. Manchmal habe ich fast ein wenig Angst, dass unser Glück zerbrechen könnte.