Ich bin zurück: Das Internet funktioniert und ich kann endlich wieder von unserem Haus berichten. Aber auch über die alte Wohnung, die eigentlich schon fast vergessen ist, möchte ich noch berichten. Der Abschied war leicht. Wie verwaist und leer diese Räume doch jetzt aussahen. Ich wollte eine Viertelstunde alleine sein. Ich saß in der leeren Wohnung, auf dem Boden, und ließ all die Zeiten noch einmal Revue passieren. Wir waren hier sehr lange Zuhause gewesen. Alle drei Kinder waren als Baby hier durch die Zimmer gekrabbelt, mit dem Gehfrei gerutscht. Die ersten Schritte, aber auch die ersten Zähne haben wir hier zusammen erlebt.
Unsere ganz eigene Daily Soap wurde hier geschrieben. Ich war mir aber nach einigen Minuten sehr sicher, dass wir alles richtig gemacht haben. Das neue Haus stand prächtig und schön in seiner Siedlung, die Möbel und alles Hab und Gut war eingerichtet. Wir hatten uns zwei Tage Pause gegönnt, bevor wir die alte Wohnung besenrein machten. Der Vermieter wollte hier ja einiges umbauen, deshalb mussten wir nicht streichen oder andere Dinge in Ordnung bringen. Die Kaution bekamen wir auch zurück; sie war genau richtig, um die fehlenden Möbel zu ersetzen. Die zwei Mädchen hatten in der alten Wohnung ein Zimmer zusammen, nun aber jede ein eigenes. Da fehlten noch einige Sachen.
Für uns war das neue Haus sofort zum Heim geworden. Nichts fühlte sich fremd oder unbekannt an. Im Gegenteil. Die Kinder brausen durch die Räume, erledigen wie selbstverständlich in ihren Zimmern die Schulsachen und für mich war die Hausarbeit, als hätte ich sie nie irgendwo anders gemacht. Das große Vorhaben Umzug war Dank der Hilfe vieler Freunde sehr glatt verlaufen. Auch meinen Pflanzen war nichts geschehen, größere Schäden blieben aus. Es ist ein sehr gutes Gefühl, das Leben wieder in Ordnung zu wissen.
Die Welt war etwas ins Wanken gekommen, als mein Mann seine Arbeit verlor. Das Glück, das wir hatten, hier nicht schon vor dem Umzug alles aufgeben zu müssen und die Immobilie an die Bank zu verlieren, wissen wir sehr zu schätzen. Auch, dass unsere beiden neuen Chefs uns so sehr unterstützten, war einfach Fügung. Natürlich sind wir hier mit großem Engagement dabei, die Gegenleistung für das viele Verständnis zu erbringen.
Das schönste ist, dass wir endlich wieder Zeit füreinander haben. Sowohl die Kinder, als auch unsere Ehe, viele Hobbys: Alles kam zu kurz, während der Bauphase. Nun nutzen wir die Wochenenden zum Teil, um noch einige Handgriffe zu erledigen, aber es wird auch wieder ins Schwimmbad gefahren und gründlich ausgeschlafen, gespielt und gekuschelt. Das Kochen darf jetzt wieder Zeit in Anspruch nehmen. Es macht auch in der neuen Küche durchaus Spaß, seine Lieben zu verwöhnen. Auch ohne Urlaub sind wir zu Hause angekommen, haben wieder Ruhe gefunden. Die ganzen Streits, die wegen dem Stress manchmal richtig eskalierten, sind vergessen. Der Hund gehört mittlerweile zur Familie, als wäre er schon immer da. Es ist einfach schön. Nächste Woche werde ich endlich das Fotobuch erstellen. Die letzten Bilder, vom Bau der Garage, sind endlich auf dem Laptop.
Wenn der Winter vorbei ist, kommt noch einmal etwas Arbeit auf uns zu. Die Einfahrt muss noch gepflastert werden und auch der Garten verlangt noch nach einer deutlichen Verschönerung. Aber das ist jetzt erst einmal nicht wichtig. Alle, die hier wohnen, freuen sich: Über unser neues Leben, auf das Weihnachtsfest und natürlich darüber, dass die Familie wieder Zeit füreinander hat. So stressig das Vorhaben, die eigene Immobilie zu bauen, auch manchmal war, es ist die Krönung unseres Lebens. Wir werden noch einige Jahre an den Raten zahlen, aber das ist uns egal. Wir lieben uns und können endlich das Familienleben wieder voll genießen. Und das ist doch letztendlich das Wichtigste auf der Welt, oder?